Montag, 26. September 2016

Neue Arbeitsplätze

Keine zusätzlichen, sondern neue, statt der alten. Die Wände sind noch weitgehend kahl. Die Computer müssen mit allerhand Daten gefüttert werden. Wir sind umgezogen. Wenn der Generalvikar aus dem Fenster schaut, sieht er unsere Kirche, zugegeben, nicht viel davon, aber doch. Seine Großstadterfahrung zieht ihn in einen bestimmten Baumarkt, den es hier bei uns nicht gibt. Im Internet sucht er mit Schwester Marina aus, was hier im Büro noch fehlt, und was er demnächst dort (in der Nachbarpfarrei) für uns kaufen will. Daß es 400 km bis dahin sind, verwirrt nur und lasse ich besser weg. (-:

Sonntag, 25. September 2016

"1 Priester auf 20 Katholiken"

So war das Verhältnis heute in unserer Sonntagsmesse. Am Altar standen wir zu fünft. In den Bänken waren es etwa 100 Gläubige, hier in Saratow. Der Pfarrer und ich - das wäre noch nichts Besonderes gewesen. Dazu kam der neue Generalvikar, der noch beim Auspacken seiner Taschen ist. Und sein Vorgänger, jetzt Pfarrer in Stawropol, kam auch für ein paar Stunden vorbei, mit dem Flugzeug, wegen einer ganz dringenden Unterschrift unter ein Projekt, das er in Deutschland einreichen will. Und der Fünfte im Bunde war Pater Ondrej, ein slowakischer Priester, der vorerst für drei Monate bei uns ist, zum Schauen. 
Weil es der erste Sonntag für Pater Diogenes, den Generalvikar, in Saratow war, wurde er anschließend herzlich im Vorraum der Kirche begrüßt. Auch nahm er die Gelegenheit sofort wahr, am sonntäglichen Treffen der ausländischen Studenten teilzunehmen. Da er 5 Sprachen spricht, ist das ein großer Gewinn für die Gruppe.
Hätte da heute nicht der eine oder andere in eine priesterlose Gemeinde fahren können, wo keine Messe ist? Die nächstgelegene solche Gemeinde befindet sich 200 km von Saratow entfernt. Und dahin ist der Pfarrer jetzt gerade unterwegs. Nachts kommt er zurück.  
(Das heutige Foto unserer Kathedrale in Saratow stammt vom Sommer letzten Jahres und ist vom Dach der gegenüberliegenden Bank aufgenommen. Links im Hintergrund sieht man die Wolga. Im Gebäude mit der teilweise blauen Fassade befindet sich mein neues Büro.)

Samstag, 24. September 2016

Es hilft

Wer mich kennt, und da gehören die Priester und Ordensleute in meinem Bistum dazu, weiß daß ich es für sinnvoll, hilfreich und (soweit möglich) nötig halte, daß jeder, der das Evangelium in unseren Kirchen verkündet, auch einmal dort gewesen sein sollte, wo es her kommt, in Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, Kapharnaum usw. Wer nun mein Bistum kennt, weiß auch, daß die meisten der oben Genannten, Ausländer sind. Sie sind ganz sicher nicht zum Geldverdienen nach Russland gekommen. Da wären wir die falsche Adresse. Im Gegenteil, immer wieder sind wir angewiesen auf Unterstützung. Sollte der Besuch im Heiligen Land deshalb ein ewiger Traum bleiben? Erst recht für Ordensschwestern? Weil ich es für so wichtig halte, sowohl für das Wachstum im persönlichen geistlichen Leben, als auch für Predigt und Katechese, mühe ich mich darum, dass jeder "meiner" Priester und jede im Bistum tätige Schwester (und natürlich auch die Ordensbrüder), die noch nie dort waren, einmal eine solche Pilgerfahrten machen können. Deshalb verbringt dieser Tage eine kleine, aber ganz bunt gemischte, fröhliche Gruppe aus dem Bistum Sankt Clemens unter kompetenter Begleitung eine gute Woche im Heiligen Land. Gestern schickten sie mir dieses Foto aus Nazareth.

Sechster Nuntius - dritter Italiener

Seit Dienstagnachmittag haben wir wieder einen Nuntius in Moskau - einen Botschafter des Vatikans. Persönlich kenne ich ihn noch nicht. Hier kurz, was man unlängst in den Medien über ihn finden konnte: "Papst Franziskus hat am Samstag Titularerzbischof Celestino Migliore zum neuen Apostolischen Nuntius in Russland ernannt. Der fast 64-jährige vatikanische Diplomat folgt auf Erzbischof Ivan Jurkovic, der im Monat Februar 2011 von Papst Benedikt XVI. als Vertreter des Heiligen Stuhls in Moskau entsandt worden war. Celestino Migliore wurde 1952 in Cuneo, in der italienischen Region Piemont geboren und 1977 zum Priester geweiht. Nach einer Doktorarbeit in Kanonischem Recht an der Päpstlichen Lateran-Universität und einem Studium an der Päpstlichen Diplomatenakademie in Rom, trat er 1980 in den diplomatischen Dienst ein. Von 1992 bis 1995 war er Vertreter des Heiligen Stuhls beim Europarat in Straßburg und von 1995 bis 2002 Untersekretär der Sektion des Päpstlichen Staatssekretariats für die Beziehungen mit den Staaten. 2002 folgte die Ernennung zum Ständigen Beobachter bei den Vereinten Nationen in New York. Von 2010 bis 2016 war er Apostolischer Nuntius in Polen." (Zenit, pdm)

Freitag, 23. September 2016

Die Sache mit der Kuh

Es ist 18 Jahre her, dass wir nach einem gemeinsamen Besuch bei einer kinderreichen Familie in Marx, mit Gästen aus Osnabrück zu dem Entschluss kamen, dieser Familie beim Erwerb einer Kuh zu helfen. Circa 600 Euro waren nötig. Ich glaube, innerhalb von zwei Tagen, hatten wir das Geld für drei Kühe zusammen. Wo nun aber hin damit? Die Frage war eher theoretisch. Mit einem solchen Geschenk konnte man vielen dauerhaft helfen. Und so entwickelte sich das Projekt "Eine Kuh für Marx". Es wurde zum Selbstläufer und überholte manchmal unsere Listen derer, die dieser "Hilfe zur Selbsthilfe" bedurften. Bis heute gibt es immer wieder Ehepaare, Geburtstagskinder oder - nun auch - ein Bläserensemble, die eine Kuh schenken. Schön, nicht wahr?

Lustig sind manchmal die unsicheren Augen derer, die dann vorsichtig fragen, wie man denn "die Kuh da rüber bekommt". Und ein unerwarteter Grund zur Freude war die Nachricht, dass ein Verein in Ostsibirien das ganze Projekt mit eigenen Mitteln nachgeahmt hat.

Die Kuh vor der Marxer Kirche erinnerte mich an all das, sowie in ihre inzwischen über 500 "Kolleginnen", die Familien in schwierigen Situationen geholfen haben. Danke allen, die sich die Idee zu eigen gemacht haben!

Donnerstag, 22. September 2016

Missionare der Barmherzigkeit

Eine Kleinigkeit am Rande, hatte am vergangenen Dienstag fast keiner bemerkt. Gab es doch auch ohne dies schon viele Gründe, den Tag als besonderen im Gedächtnis zu behalten. Dadurch, dass Pater Diogenes (links) nach Saratow gekommen war, um seinen Dienst als Generalvikar zu übernehmen - und gleichzeitig die Dekane zu einer Sitzung eingeladen waren, zu denen auch Pater Janusz (rechts) gehört - hatten wir unsere beiden "Missionare der Barmherzigkeit" gemeinsam in Saratow. Papst Franziskus hatte sie als solche für das Heilige Jahr ernannt, das am 20. November zu Ende gehen wird. In ganz Russland sind die beiden die Einzigen. Trotz ihrer üblichen Verpflichtungen, haben die eifrigen Seelsorger immer wieder Einladungen in Pfarreien angenommen, um dort zu predigen, geistliche Einkehrtage zu halten und das Bußsakrament zu spenden. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich für manche durch die Hilfe dieser beiden Priester im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit wirklich etwas auf Dauer zum Guten gewendet hat.

Mittwoch, 21. September 2016

In Reichweite

Noch einmal zurück zu gestern. Es gab noch einen Anlass, der den Tag in die Chronik unseres jungen Bistums eingehen lässt: Gestern habe ich die neue Räume unserer Diözesancaritas eingeweiht, und ein paar Minuten später die neue Kurie. Durch den Besuch der Dekane hatten wir einen schönen Rahmen für den Ritus. Und gleichzeitig war es ja auch der erste Arbeitstag unseres neuen Generalvikars. Von der Kathedrale bis in mein Büro braucht man eine Minute zu Fuß, zwei weitere bis zur Caritas. Das eröffnet neue Möglichkeiten der täglichen Zusammenarbeit. Wir haben auch schon Pläne. Wenn es soweit ist, werde ich es im Einzelnen erzählen. Besonders Oksana, unserer Caritasdirektorin (5.v.l.), war die Freude über die neuen Räume ins Gesicht geschrieben. Sie hatte lange darauf gehofft, viele Jahre lang. Gestern war dann auch der erste richtige Arbeitstag, sowohl in den neuen Caritasräumen, als auch in der neuen Kurie. Das Rennen ging also nicht unentschieden aus, sondern mit zwei Siegern. 

Dienstag, 20. September 2016

Begrüßung des neuen Generalvikars

Heute ist der Tag, an dem wir alle von Papst Franziskus um Gebet für den Frieden in der Welt gebeten waren. Er selbst betete mit Vertretern anderer Konfessionen und Religionen in Assisi darum, wenn sich nichts geändert hat. Ich habe noch keine Nachrichten gehört. Es ist auch der Geburtstag meines verstorbenes Cousins Winfried. Außerdem ist es ein besonderes Datum für mein Bistum: Heute wurde Pater Diogenes Urquiza in Saratow begrüßt und in sein Amt als Generalvikar eingeführt, und zwar während einer heiligen Messe, an der alle Dekane teilnahmen, in der also alle sechs Regionen des Bistums Sankt Clemens vertreten waren. Dann folgte eine lange Sitzung. Am Abend, als schon alle wieder weg waren, bzw. sich zur Ruhe begeben hatten, machten wir unsere erste Dienstbesprechung unter vier Augen. Möge Gott die Zusammenarbeit segnen, und möge es Pater Diogenes aushalten mit seinem Bischof und dem Büro. Er hatte unlängst in einem Interview mit einer Regionalzeitung erklärt, was ein Generalvikar ist. Und da fiel im Interview der Satz: "Ein Generalvikar ist immer in der Kurie (Anm.: im Büro des Bischofs)" Das hat mich sehr gefreut. Heute bekam er dieses Zitat auf einen Kaffeebecher gedruckt geschenkt. 

Montag, 19. September 2016

Pater Diogenes und sein Chef

Von 12.31 Uhr ist die Sprachnachricht auf meinem Telefon. Da saß mein neuer Generalvikar, Pater Diogenes im Auto, allein, nach all den Verabschiedungen in seiner Kazaner Pfarrer, in der er fast 21 Jahre lang gelebt hat. Seine Stimme klang ein bisschen traurig. Er schickte die Nachricht, um zu sagen, dass er später als erwartet eintreffen würde. Sind es doch 700 km Landstraße von Kazan bis nach Saratow! Gegen 22.00 Uhr wäre er zu erwarten. Gestern, am Sonntag, nahm auch sein neuer Ordensgeneral, Pater Gustavo Nieto, am Abschiedsgottesdienst in Heiligkreuz/Kazan teil. Erst vor ein paar Wochen war er beim Generalkapitel des Ordensinstituts gewählt worden. Auch ich durfte ihn schon kennenlernen, vor knapp einer Woche, in Rom. So kam auch das Abschiedsgeschenk der Pfarrgemeinde noch pünktlich nach Kazan. Die Wallfahrtsteilnehmer hatten nach Rom gebracht, was sie eigens für Pater Diogenes gesammelt hatten, um ihm einen Kelch zu kaufen. Wie groß war da die Freude, dass er (mit Pater Gustavo) noch pünktlich nach Kazan kommt! Und wie schön und tief der Sinn eines solchen Geschenks!

Sonntag, 18. September 2016

Ziemlich zu

Das Foto stammt aus Rom, auch wenn es mich dort an hier erinnert hat. (-: Das Lustige ist die Hausnummer neben der (einstigen) Tür. Für wen ist die nun wohl gedacht?