Montag, 23. Oktober 2017

Sonntag, 22. Oktober 2017

Ein Sonntag zu Hause

Die Sonntagsgemeinde in Marx war heute klein. Ich habe mich innerlich sehr gefreut, eben heute mit diesen Alten und Jungen die Messe feiern zu können. Man spürt, dass die Versetzung von fünf Ordensschwestern die Herzen bedrückt. Mit der Gruppe von Müttern, die stets im Anschluss an die Sonntagsmesse für ihre und andere Kinder beten, habe ich deshalb bewußt ein wenig länger gestanden und erzählt. 
Nach der Rückkehr nach Saratow am Nachmittag, fand ich genug zu tun, was doch wohl auch am Sonntag erlaubt ist. Während ich am Computer saß, rief eine allein wohnende Witwe aus einem Dorf bei mir an. Sie tut das öfters und erkundigt sich, wie es geht, so, wie man das auch mit Verwandten macht. Heute konnte ich sie schlecht verstehen. Sie hat Fieber (39!). Zwar war eine Krankenschwester gekommen und hatte ihr eine Spritze gegeben. Danach war sie aber wieder allein. Ich rufe Sie vielleicht etwas später nochmal an. (Das Dorf liegt 90 km von Saratow entfernt.) Schließlich stand heute "Tasche-Packen" auf meiner Liste, denn morgen früh geht es wieder los, hoffentlich bei so gutem Wetter wie auf dem morgendlichen Foto, dass mir die Klarissen aus ihrer Wohnung im 12. Stock zukommen ließen. 

Samstag, 21. Oktober 2017

Gelandet

Der Oktober scheint sich zum "himmlischsten" Monat des Jahres herauszukristallisieren: So oft bin ich schon lange nicht geflogen. Schön, dass heute alles pünktlich ging. Wir kamen sogar zwei Minuten früher in Moskau an, als wir in Novosibirsk abgeflogen waren. (Abflug 6.00 Uhr, Ankunft 5.58 Uhr. Zeitunterschied zwischen Novosibirsk und Moskau: 4 Stunden.) Und auch nach Saratow war alles "on time", (Ankunft 12.15 Uhr).
Das Büro hat mich anschließend wieder einmal nur für das Nötigste gesehen. Am Abend war ich nach Marx eingeladen, zur Beichte, nach einem geistlichen Einkehrtag.  Morgen habe ich frei und bleibe gleich da, wo ich bin. 

Freitag, 20. Oktober 2017

Letzter Tag in Sibiriens Metropole

Etwa 1.600.000 Einwohner hat Novosibirsk zurzeit und ist damit die größte Stadt in Sibirien. Ich war hier geblieben, um an einer Sitzung teilzunehmen, in der es hauptsächlich um Caritas ging, um Perspektiven und noch deutlichere Einbeziehung der Pfarrgemeinden. In Vertretung unserer Diözesancaritasdirektorin, die erst vergangene Nacht von einer weit wichtigeren Tagung aus Freiburg heimkehrte, tat ich das gern. Es blieb noch Zeit, die kleine Schwesterngemeinschaft zu besuchen, von der hier am vergangenen Sonntag die Rede war. Alle drei sind neu in Novosibirsk, hatten vorher ebenerdig gelebt, mit einem Garten vor dem Fenster. Hier wird der Blick aus dem Fenster (Foto) etwas gewöhnungsbedürftig sein.
Der heutige Tag bot mir auch die Gelegenheit, vor Ort zu sein, als Daniil, ein junger Mann aus Krasnodar (Bistum Sankt Clemens) ins hiesige Vorseminar aufgenommen wurde. Zwei weitere Kandidaten stammen aus den Diözesen Moskau und Novosibirsk. 
Mein Rückflug ist für morgen früh um 6.00 Uhr gebucht (1.00 Uhr deutscher Zeit).

Donnerstag, 19. Oktober 2017

2. Sitzungstag

Unsere Sitzungen der Bischofskonferenz - vielleicht ist das überall so - haben etwas von "Dienstbesprechung" an sich. Die Vorarbeit wurde meist anderenorts geleistet, z.B. in den Kommissionen der Bischofskonferenz, im Priesterseminar oder, zum Beispiel, einfach von einem der Bischöfe. Und dann geht es schnell. Punkt für Punkt wird ein Programm abgearbeitet. Vorschläge, Nachfragen, Entscheidungen, Hausaufgaben... In Kürze gibt es eine offizielle Nachricht über die Sitzung. Interessant für Blogleser in Russland kann schon jetzt des endgültige Datum für unser nächstes gesamtrussisches Jugendtreffen sein. Es wird etwas später als früher gemeldet stattfinden, nämlich vom 19.-22. Juli 2018 in Irkutsk, bzw. am Baikalsee.
Unsere 48. Vollversammlung der RBK (offiziell: Konferenz der katholischen Bischöfe in Russland) ist beendet. Ich bleibe noch einen Tag in Novosibirsk, um an einer überdiözesanen Caritas-Sitzung teilzunehmen.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Vollversammlung

Heute und morgen tagt unsere Russische Bischofskonferenz in Novosibirsk. 14 Punkte stehen auf der Tagesordnung...
V.l.n.r: Bischof Kyrill Klimovicz (Irkutsk), Erzbischof Celestino Migliore (Nuntius), Erzbischof Paolo Pezzi (Moskau), Bischof Clemens Pickel (Saratow), Bischof Joseph Werth (Novosibirsk), Igor Kovalevski (Generalsekretär).

Die Novosibirsker Bistumszeitung hat eine Fotografin. Das kommt davon:


Dienstag, 17. Oktober 2017

Ökumene am Ob

Abend am Diözesanzentrum in Novosibirsk 
Weil der Nebel am Morgen berechenbar war, wurde Novosibirsk aus allen Himmelsrichtungen verspätet angeflogen. Bei sonnigen minus 6 Grad landete ich am Vormittag. Akzent des heutigen Tage wurde ein ökumenischer Gottesdienst mit Bischof i.R. Wolfgang Huber aus Deutschland. Solche und ähnliche Bemühungen sind wichtig und lobenswert. Gleichzeitig werden dabei auch künftig Schwächen zu Tage treten, die uns demütig weiter arbeiten (und mehr noch: beten) lassen. Außer den beiden Predigten, war alles im wahrsten Sinne des Wortes vorgeschrieben. Wurde mehr gelesen als gebetet? Ich denke: ja. Der Jahrestag der Reformation wurde ein "Christusfest" genannt. Ich bezweifle nicht, dass es glaubwürdige Deutungen dafür gibt, spüre aber dennoch mehr Schmerz als Freude. Eine solche war es für mich jedoch, im Gottesdienst auch Bischof Scheiermann zu begegnen. Er war früher evangelischer Propst in Saratow, bevor ihm die evangelische Kirche in ganz Sibirien anvertraut wurde. Ich kenne ihn und kann darum sagen: Er ist ein Mann, der betet und für den Spiritualität keine Theorie ist.
Der Gottesdienst fand in der katholischen Kathedrale statt. Unsere gesammte Bischofskonferenz, einschließlich Nuntius, war anwesend. Morgen beginnt unserer Sitzung. 5 Stunden Zeitverschiebung gegenüber Deutschland - wir haben es schon gleich 23.00 Uhr - lassen den Tag früher als gewöhnlich zu Ende gehen. (P.S. für geographisch Unwissende: Novosibirsk liegt am Ob, einem der großen Flüsse Sibiriens.)

Mitternacht in Moskau

Umsteigen nach Novosibirsk. Früh um 9.00 Uhr bin ich dort. Morgen (Mittwoch) beginnt eine Sitzung unserer Bischofskonferenz in der Hauptstadt Sibiriens.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Kein leichter Abschied

Während ich von Feiertag zu Feiertag springe, erlebt "Marx" eine große Veränderung. Heute wurden dort im Gottesdienst drei Ordensschwestern verabschiedet, (nachdem unlängst schon zwei an andere Einsatzorte übergewechselt waren). Das Gravierende am heutigen Tag: Unter den scheidenden Schwestern ist die dienstälteste Ordensschwester im Bistum. Niemand, kein Priester und kein Mitglied einer Ordensgemeinschaft ist hier schon so lange (und ununterbrochen) in der Seelsorge tätig gewesen, wie sie: 32 Jahre. Schwester Helena kam, als Seelsorge noch verboten war. Sie arbeitete als Näherin in einer Fabrik und nutzte die Abende, um Familien zu besuchen, über den Glauben zu erzählen und ganzen Generationen beten zu lernen. Als gelernte Krankenschwester verstand sie oft mehr und schneller, als so mancher Arzt. Aber auch anderer Nöte, besonders armer Menschen, nahm sie sich pausenlos an, mit Herz und Händen. Sie ist sozusagen die "Mutter" der Marxer Pfarrgemeinde, und sie ist Schwester. Wer sie kennt, weiß wovon ich rede. Auch ich persönlich habe viel von ihr gelernt. Als Pfarrer (seit 1991) und später als Bischof, konnte ich immer mit ihrem Rat und ihrer Unterstützung rechnen. Es war eine sehr schöne Zusammenarbeit, für die ich viel zu danken habe. 
Schwester Helena verläßt das Bistum Sankt Clemens in Richtung Sibirien. Morgen geht ihr Zug nach Novosibirsk. 52 Stunden. Dort wird sie in einer kleinen Niederlassung ihrer Ordensgemeinschaft leben.