Mittwoch, 24. Mai 2017

"Ausflug"

Im noch stillen Treppenhaus nach draußen. Im alten Skoda mit dem Generalvikar zum Flughafen. Im bananengelben Embraer 190 nach Moskau. In einer nagelneuen 737-800 nach Minsk. In einer engen, dafür aber halbleeren, älteren 737-300 nach Frankfurt. Im vorfeiertagsvollen ICE nach Göttingen. Und im Auto mit meinem Bruder nach Heiligenstadt. - Nicht der heutige Geburtstag meines Vaters, er wäre 86 geworden, ist der Grund, sondern der Sankt-Clemens-Verein. In Russland beginnen die Sommerferien. Viele warten auf verschiedenste Unterstützung, die über den Verein geht...
Natürlich ist es auch eine schöne Gelegenheit, meine Mutter zu sehen, heute und morgen.

Dienstag, 23. Mai 2017

Freuden im Alltag

Heute hatte ich mich beim Migrationsdienst zu melden, so wie das für Ausländer einmal im Jahr üblich ist. Wo ich arbeite und wieviel ich da verdiene, wo ich wohne und wo ich im Laufe des vergangenen Jahres (Ausland) war, ... dies und ein paar andere Informationen hatte ich wie gewöhnlich vorzulegen. Die bestätigende Unterschrift, dass alles in Ordnung sei, bekam ich 14.40 Uhr. 
Mit großer Freude traf ich danach einen unserer alten Bekannten, denen wir vor langer Zeit den Namen "Klosterbauer" gegeben hatten. Er schaut uns die Heizungen in Marx nach. Es sind inzwischen drei Anlagen. Und alle drei bedürfen momentan einer Durchsicht. Er war allein nach Marx gekommen, während sich die anderen - sechs an der Zahl - das Haus der Schwestern in Uljanowsk vornehmen, (Zwischenwände, Heizung, Fußböden, ...). Am kommenden Wochenende bin ich zufällig auch in Uljanowsk, so dass ich vermutlich noch alle zu sehen bekomme. 
Wie genau man es in Russland mit dem Straßenbau nimmt, kann man an der Längenangabe der Baustelle sehen, die ich heute auf dem Weg von Marx nach Engels einfach nicht nicht fotografieren konnte:


Montag, 22. Mai 2017

Hoher Besuch

Eine Besonderheit des heutigen Montag besteht im Besuch von Schwester Maximilia, der Generaloberin einer der Schwesterngemeinschaften im Bistum Sankt Clemens. Sie war zur sogenannten Visitation in Orenburg und Samara unterwegs. Eine ihrer Schwestern hat Religionsphilosophie studiert und hält heute und morgen eine Gastvorlesung an der Saratower Universität! Zwei weitere Schwestern machen zurzeit in Orsk eine Ausbildung zum Logopäden, einem mehr und mehr gefragten Beruf. Begleitet wird Schwester Maximilia von der polnischen Schwester Marta, die schon 20 Jahre in Russland lebt. Es ist lustig, wie sie manchmal "wir" und "bei uns" sagt, und dann erklären muss, dass sie Russland meint. 

Nicht ganz Südrussland betreffend, geht heute eine Nachricht über alle russischen Nachrichtenkanäle: In Moskau sind die Reliquien des heiligen Nikolaus eingetroffen. Etwa zwei Monate lang werden sie Christen in Russland zur Verehrung angeboten. Die Warteschlange vor der Erlöserkathedrale in Moskau sei momentan zwei Kilometer lang, berichtet ein Journalist am Nachmittag. Auf die Frage, warum er anstehe, antwortete ein junger Mann: "Ich bin orthodoxer Christ. Wie die anderen bin ich gekommen, um den Heiligen um Frieden zu bitten, für Russland und für die ganze Welt." Ende Juli kehren die Reliquien in die Basilika St. Nikolaus nach Bari in Italien zurück. 

Sonntag, 21. Mai 2017

Nachgefeiertes "Pat-Fest"

Das Patronatsfest der katholischen Gemeinde in Togliatti steht am 13. Mai im Kalender: Gottesmutter von Fatima. Wir hatten es diesmal um eine reichliche Woche verschoben, weil ich am 13. mit den anderen Bischöfen in Kasachstan war. Der Regen draußen störte uns nicht sehr. Zugegeben, es war heiß, und die Luftfeuchtigkeit im Inneren der Holzkirche war ausgesprochen hoch. 
Fröhlich gingen wir auseinander, in der Hoffnung, doch in absehbarer Zeit Eucharistie in der neuen Kirche feiern zu können.

Samstag, 20. Mai 2017

Samstagstelegramm

Morgenspaziergang an die Wolga, unter der hier eine ganze Stadt begraben ist, Ankunft des Provinzials der Redemptoristen, die unsere Pfarrei in Togliatti betreuen, Gespräch am Nachmittag, Abendmesse in der kleinen Kirche, "Exkursion" in die große, Abend mit den Priestern - das ist (war) der Samstag in Togliatti.
Schwester Rosa wurde abermals mit Freude von einer ganzen Frauengruppe in der Gemeinde begrüßt, weil sie allesamt, wie Schwester Rosa, aus Kasachstan stammen. - Landsleute.

Freitag, 19. Mai 2017

Ankunft Togliatti

Sieht fast wie gemalt aus, ist aber ein Foto, von heute nachmittag. Die Fahrt nach Togliatti hat nicht allzu lange gedauert. 5 Stunden ungefähr. Außer, dass die Fenster inzwischen eingesetzt sind, hat sich seit letztem Jahr äußerlich kaum etwas verändert. Der Kirchbau geht langsam vorwärts. Es wurden Rohre und Kabel gelegt. Natürlich gibt es die unsichtbaren Fortschritte. Die Abendmesse, zu der ich eigentlich noch nicht erwartet wurde, feierten wir zu siebent in der kleinen blauen Holzkirche vor dem Neubau. Die häufige Erfahrung meiner Reisen bestätigte sich heute auch hier: Die Gläubigen haben ihre Priester unheimlich gern, (und ihren Bischof auch). Der Pfarrer ist zur Zeit in Polen. Vom Kaplan werde ich versorgt und beherbergt. Schwester Rosa,  die mich auf dieser Reise begleitet, kommt bei Leuten aus der Gemeinde unter.
Einst hieß die Stadt Stawropol (griechisch: stauros = Kreuz, polis = Stadt). Den Namen des italienischen Kommunisten Togliatti bekam sie 1964, letztlich in Zusammenhang mit den Autowerken, in denen seit Ende der sechziger Jahre eine Fiatlizenz unter dem Namen Zhiguli, später Lada vom Band ging.
Was mich heute betrübt machte, war die Intention des Rosenkranzgebets nach der Messe. Wir beteten um Arbeit für die Einwohner der Stadt, weil die Leute beginnen, wegzuziehen. (Bisher galt Togliatti immer als attraktiv, wegen des Stellenangebots.) Auch aus unserer Pfarrgemeinde seien Familien nach Sankt-Petersburg, Krasnodar, Simferopol und Jalta gezogen.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Gott im Alltag

Der Blick am Abend zurück auf den Tag hat seinen Sinn nicht in statistischen Erhebungen. 
Was war gut? Was nicht so? Wo war Gott? Wo war ich? Wo bin ich jetzt? Und er? 
Ich hatte heute unter anderem - unter dem Berg von anderem - ein wichtiges, nicht einfaches Gespräch vor mir. Mein mir gegenüber erwies sich dabei als ein ausgesprochen guter Mensch. Mehr kann ich dazu wahrschenlich nicht sagen. Es war ein unerwartetes Geschenk. Meine Seele freut sich über die Größe des Herrn...
Die Tasche für Morgen ist schon gepackt. Es geht nach Toglatti, zur Firmung, aber auch zu einer Begegnung mit dem Provinzial der Redemptoristen, dessen Visitationsreise in die Ordensniederlassungen seiner Mitbrüder in Russland und Kasachstan so ziemlich vor dem Abschluss steht. 

Mittwoch, 17. Mai 2017

Frühling in der Provinz

Noch zwei Wochen, dann beginnen bei uns schon die dreimonatigen Sommerferien. Eine Regenfront über der mittleren Wolga gibt dem Frühlingsgrün einen mächtigen Schub nach vorn. Wenn es danach warm wird, beginnt die Zeit der Mückenschwärme.
Ich wurde gebeten, heute den geistlichen Einkehrtag im Kloster Marx nachzuholen, für den es im letzten Monat nicht gereicht hatte. (In den Pausen arbeitete ich im Büro, via Internet.) Zur Frühmesse in der Kirche sah ich eine Jugendliche, die heute vor der Schule bewußt zur Messe kommen wollte, weil sie Geburtstag hat (17). Sehr schön. Nicht nur ich habe mich gefreut. Am Nachmittag besuchte ich sie zu Hause. Auch andere Jugendliche waren dort und erzählten mir mit Begeisterung vom Dekanatsjugendtreffen Anfang Mai, zu dem sich in Marx 90 Jugendliche eingefunden hatten. Die nicht wenigen afrikanischen Studenten unter ihnen waren eine Sensation für die Kleinstadt. 
Übrigens war auch ein junger Ehemann in der Frühmesse, der um zwei Tage in unserem "Haus der Stille" gebeten hatte. Heute kehrte er zu seiner Familie zurück. Prima Leute! Es ist ein Geschenk, sehen zu dürfen, dass etwas wächst.

Dienstag, 16. Mai 2017

San Clemente in Rom und Sankt Clemens in Saratow

Sechszehn Jahre ist sie schon alt, aber innen immer noch nicht ausgestaltet, unsere Kathedrale in Saratow. Der Schub nach vorn kam mit unserem neuen Generalvikar. Als er Pfarrer in Kazan war, arbeitete er dort erfolgreich mit einem Künstler zusammen, der kirchliche Symbolik versteht und praktisch umsetzbare Ideen hat. Gestern ist er zu uns "umgezogen", könnte man sagen. Es geht vorerst noch um einige Details zum Projekt. Als Grundidee gehen wir bei der Altarraumgestaltung vom Kreuz in der Basilika San Clemente in Rom aus. (Heißt unser Bistum doch "Sankt Clemens in Saratow"!) Ich freue mich, dass Bewegung in die Sache gekommen ist, denn es ist wirklich wichtig, wie eine Kirche gestaltet ist. Es kann beim Beten helfen. Im ganzen Bistum werden wir so etwas wie einen Fond für die Gestaltung der Kathedrale einrichten, auch wenn wir den deutlich größeren Teil der nötigen Mittel anderswo erbitten müssen.