Samstag, 3. Dezember 2016

Bistumskalender in Arbeit

Beim Bild nebenan geht's vorläufig nur ums Aussehen in etwa. Unser diesjähriger Bistumskalender hat pro Monat nur ein Foto, nämlich jeweils das einer unserer Kirchen, mit der Besonderheit, dass die Bilder aus der Vogelperspektive gemacht sind. Wir haben im ganzen Bistum (1.400.000 qkm) nur 26 Kirchen und Kapellen. Eine Hand voll davon sind älter als 100 Jahre, die anderen - jünger als 24.
Wenn jemand am Kalender interessiert ist, kann er sich vermutlich am besten bei Herrn Steffan in Osnabrück melden. Ich schicke ihm einen Teil der kleinen Auflage. (Selbstkostenpreis, für die, die es interessiert: 3,20 €.)

Freitag, 2. Dezember 2016

Freitag - zum Abend hin

Freitag - Feierabend - Wochenende ... Das sind zwar Begriffe, die auch zu meinem Wortschatz gehören, aber sie klingen anders als beim Normalverbraucher. Beim Verlassen des Büros in Saratow fühlte ich mich heute fast wie vor 18 Jahren, als ich "Bischof in Saratow und Pfarrer in Marx" zugleich war: Ich setzte mich gern ins Auto, war aber auch etwas müde. 16.30 Uhr, als ich die drei Kilometer lange Wolgabrücke zwischen Saratow und Engels überquerte, war es schon stockfinster. (Aber übermorgen werden im Gebiet Saratow die Uhren eine Stunde vor gestellt, dann ist es um diese "Zeit" noch hell.) Schneetreiben hatte eingesetzt. Ein Unfall auf der Brücke, mitten im Berufsverkehr. Stau. Eine Choral-CD im Auto... Dennoch kam ich fast pünktlich in Marx an, wo ich noch bis 7. Dezember Exerzitien begleite. Gern brachte ich am Abend noch eine Großmutter nach Hause in ihr Dorf (30 km vor der Stadt). Sie war wegen eines Arztbesuches in der Stadt und wollte noch soo gern zur Messe bleiben, weil sie schon lange nicht die Möglichkeit dazu gehabt hatte, ... Ich habe mich gefreut, sie zu sehen. Wir hatten uns damals kennengelernt, vor 18 Jahren (s.o.), als ihr Mann schwer krank war.

"Traurig" ist nicht das richtige Wort

Im Herbst - Propst Scheiermann konnte sogar das genaue Datum nennen - erinnerte sich die evangelisch-lutherische Gemeinde in Saratow an das 10-jährige "Jubiläum" des Baubeginns ihrer neuen Marienkirche. (Die ehemalige war in der UdSSR gesprengt worden). Ein Ende der Bauarbeiten scheint immer noch nicht in Sicht. Es tat mir leid, das heute zu sehen, und ich bewunderte die Geduld und Gelassenheit des Propstes und seines Mitbruders, der die Gemeinde im Frühjahr 2017 übernehmen wird. Immer wieder gibt es Engpässe bei der Finanzierung. Wie gut haben wir es da doch vergleichsweise in der katholischen Kirche! Wie viele offene Ohren gibt es immer wieder! Von Herzen wünsche ich der Saratower Mariengemeinde, dass sich doch Sponsoren aller Art finden, damit die Kirche endlich fertig wird. Langes Bauen macht das Objekt doch nicht billiger! 
Grund unseres heutigen Besuches war mein Wunsch, Pater Diogenes, der sich gut in seine neuen Aufgaben als Generalvikar einarbeitet, mit der evangelischen Kirche in der Stadt bekannt zu machen. Wir wurden brüderlich-gastfreundlich empfangen und bewirtet. 

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Erster Donnerstag im Kloster

Im Gedenken an den Gründonnerstag und im Danken dafür, gibt es trotz aller anderen Aufgaben im Marxer Kloster den lebendigen Brauch, an jedem ersten Donnerstag im Monat 24 Stunden Eucharistische Anbetung zu halten. Die Schwestern tragen sich jeweils für eine Stunde in eine Liste ein, die auch nachts nicht abreißt. Besonders, wenn wenige im Haus sind, so wie heute, bedeutet das, dass jede Schwester mehrmals eine Stunde still in der Kapelle betet. Interessant ist, wie sich auch Jugendliche und Heranwachsende für diese Form von Gebet interessieren, sicher nicht zuletzt aus Freundschaft mit den Schwestern. So sind mir heute Abend mindestens sechs von ihnen über den Weg gelaufen, die eine Stunde in der Nacht übernehmen, nicht allein, und die dann bis zum Morgen, wenn es wieder in die Schule geht, im Kloster schlafen.
Vermutlich werden nicht alle mit solchen Gedanken zum Beten gehen, wie: Priesterdonnerstag oder Quatember. Das sind heute oft auch innerhalb der Kirche Fremdworte geworden, während man den Grund für den Mangel an jüngeren Priestern ausschließlich in demographischen und ähnlichen Gründen weiß. - Vielmehr werden unsere Jugendlichen in ganz persönlichen Anliegen beten, was beim Herrn ganz sicher nicht auf taube Ohren treffen wird.

Mittwoch, 30. November 2016

Zweischichtsystem

Weil ich nebenbei in einen Exerzitienkurs eingewilligt habe, - die Betonung liegt auf "nebenbei", beginnen meine Tage derzeit recht früh und enden später als sonst. Dadurch kommen die Blogeinträge vermutlich auch in den kommenden Tagen etwas zu kurz. Das Gute an der Sache ist, dass einem geistliche Exerzitien, die man begleitet, auch selbst helfen.




An die Wolga in Saratow habe ich's trotzdem geschafft, (aber eigentlich nur, weil ich mein Auto um 16.30 Uhr dort parken mußte).

Montag, 28. November 2016

"Barmherzigkeit - das geht alle an" (Marxer Zeitung über unseren Kongress)


Übersetzung folgt, (vielleicht).
Aber eine andere Sache, heute noch: Als ich gestern Abend aus dem Flugzeug stieg, sagte mir der Steward, der sich unten an der Treppe von den Fluggästen verabschiedete: "Ach, Pater, übrigens, ich habe heute einen Brief von Ihnen  bekommen."  Ich reagierte zweifelnd. Dann zog er ihn aus der Jackentasche: Ich hatte zum Anfang unseres bistumsweiten "Jahres des Gebets" einen kleinen Impuls geschrieben und in den Pfarreien gebeten, ihn weiterzureichen. Scheinbar war der Steward früh zur Messe gewesen und hat ihn dort mitgenommen. 

Sonntag, 27. November 2016

Erster Advent


Ich bin unterwegs nach Hause. Ich habe mich auch in den kleinen Pfarrgemeinden auf der Krim zu Hause gefühlt. Sie sind unseren ähnlich. In Saratow erwartet mich Arbeit. Wo bin ich zu Hause? 
Am stillsten habe ich es oft unterwegs. Lautsprecheransagen, Turbinen- und Motorengeräusche stören wenig. Vielleicht kann das eine Brücke zum Advent sein. 
Gestern wurde ich gefragt, ob ich noch Deutsch könne, nach 26 Jahren in Russland. Fast hätte ich mich selbst darüber gewundert. Dann fand sich diese Antwort: Wenn ich allein bete, spreche ich in meiner Muttersprache mit Gott. Auch ein Gedanke für den Advent.
Möge mein Advent doch nicht in Gedanken stecken bleiben. 

Samstag, 26. November 2016

Chersones

Der rote Faden dieser Tage war der Märtyrertodes des heiligen Clemens von Rom. Am Nachmittag bekam ich eine professionelle Führung zu den Ausgrabungsstätten von Chersones, die eng mit seiner Verbannung und seinem Tod in Verbindung stehen. Ich hatte nicht erwartet, dass es so beeindruckend wird. Aber zum Erzählen ist heute Abend auch nicht richtig Zeit. Eine ehemalige Siedlung von enormen Ausmaßen und einer sieben Jahrtausende zurückreichenden Geschichte! Ein relativ großer Teil der Siedlung liegt seit einem Erdbeben auf dem Meeresgrund. Morgen nach der Messe fahre ich nach Simferopol, wo es den einzigen Flughafen auf der Halbinsel gibt. Und wenn es die Wetterverhältnisse in Saratow erlauben, bin ich morgen Abend zu Hause.

Freitag, 25. November 2016

Sankt Clemens Kirche in Sevastopol

Wie vielen Kirchen in der Sowjetunion, erging es auch der katholischen Kirche in Sevastopol. Heute Abend schaue ich aus meinem Fenster auf das, was von ihr geblieben ist, ein heruntergekommenes Kinotheater Namens "Freundschaft", außer Betrieb. Morgen werden wir mit Erlaubnis der Stadt vor der Kirche - nicht in der Kirche - deren Patronatsfest mit einem Gottesdienst feiern, besser gesagt, das Patronatsfest der Pfarrgemeinde Sankt Clemens, die sich gewöhnlich in einer Wohnung zur Messe versammelt.

13.40 Uhr: Der Regen hatte aufgehört, doch wir hatten nur ein paar Grad über Null. Für die Gemeinde war es ein Fest - die heilige Messe vor ihrer ehemaligen Kirche. Während der Predigt unterbrach mich die Autokolonne einer Hochzeitsgesellschaft, die drei Runden hupend um das Rondell auf dem Platz fuhr. Zur Kommunion, genau um 12.00 Uhr spielte man vom höchsten Turm am Platz die Hymne Sevastopols ab. (Früh um 6.00 Uhr hatte mich auf gleiche Weise die Nationalhymne Russlands geweckt.) Die Organistin hielt mit "Gottheit tief verborgen" dagegen. Anschließend waren alle zu einer Stärkung in der Wohnung der Pfarrgemeinde eingeladen. Heißer Tee war besonders begehrt.

Jalta


Jalta - ein Urlaubertraum. Hier gibt es eine ausgesprochen schöne katholische Kirche, die obendrein auch noch an der bedeutendsten Promenade der Stadt steht, welche direkt ans Meer führt. Subtropisches Klima läßt Palmen wachsen. Ein kesselförmiges Bergmassiv sorgt für stets mildes Wetter. Hinter der Kirche kann man einen ganzen botanischen Garten finden, gepflegt und vielfältig, in dem man alles von Bambus bis Rosmarin finden kann. Am Abend werde ich hier in der Kirche mit der Gemeinde Eucharistie feiern, bevor es weiter, ans Ziel der Pilgerfahrt geht, nach Sevastopol und Chersones. 
Hier in Jalta hatten sich im Februar 1945 die Alliierten getroffen, um über das weitere Schicksal des schon fast besiegten Deutschlands zu entscheiden. (Drei Nächte später wurde Dresden bombardiert.)
Nachträglich noch ein paar bildhafte Eindrücke aus Jalta:
Dem Hafen steht die Renovierung noch bevor.
Von der Lage her, gefällt mir Jalta besser als Sotschi.
Und auch hier ein Stück Nostalgie: Ein Oberleitungsbus von: Škoda.
Das Schwarze Meer