Sonntag, 24. September 2017

Französisch

Die meisten unserer afrikanischen Studenten in Saratow kommen aus französisch-sprachigen Ländern. Das bot eine gute Gelegenheit, Bischof Aloys zu einer Begegnung nach der Sonntagsmesse in der Kathedrale einzuladen. Es ist schön, einen Gast zu haben, der so interessiert an den Menschen und ihren Wegen ist.

Samstag, 23. September 2017

Sankt Petersburg - Tag 2

Sehr schön, vor dem Original zu stehen, auch wenn die Ermitage nicht der ruhigste Ort zum Beten ist. Der barmherzige Vater mit seinen zwei Söhnen ... Viel wurde über eben dieses Gemälde Rembrandts meditiert, manchmal auch mit Vorsätzen und Schlussfolgerungen für das eigene Leben.
Mittagessen bekamen wir im Seminar, wo sich ein interessantes Gespräch zwischen Bischof Aloys und dem neuen Rektor entspann.
Den Rest des Tages brauchen wir nun für den Weg nach Saratow, zweimal 750 km Luftlinie. Ankunft 23.35 Uhr.

Freitag, 22. September 2017

Besuch aus Belgien

Heute mittag konnte ich einen guten Freund am Sankt Petersburger Flughafen begrüßen. Der emeritierte Bischof von Lüttich, Aloys Jousten, besucht Russland zum ersten Mal. Deshalb hatten wir die Einreisen über die "Hauptstadt des Nordens" geplant und die spätere Ausreise über Moskau. Am Nachmittag half uns ein sehr ortskundiger, katholischer Journalist, die Stadt kennenzulernen. Obwohl ich seit 1990 in diesem riesigen Land lebe, und auch zu verschiedensten Sitzungen in Sankt Petersburg weilte, und im Priesterseminar, hatte ich noch nie einen zusätzlichen Tag "angehängt", um touristisch in die 5-Millionen-Metropole hineinzuschnuppern. Nur 1985, als Student, war ich mal zu einer ungemütlichen Jahreszeit mit dem sowjetischen Reisebüro "Intourist" hier gewesen. Morgen folgt Teil zwei unserer Exkursion. 

Mir sind die zwei Tage an der Newa eine gute Gelegenheit, auch mit der Leitung des Priesterseminars zu sprechen und unseren Seminaristen Jevgenij zu besuchen. - Wir wohnen im Seminar.

Nebensache

Im Grunde gehört es gar nicht zum Katholischsein in Südrussland, aber...  Seit dem 18. Juni 1991 flog ich mit Jak-42 Flugzeugen nach Saratow. Einmal warf die Stewardess bei Turbulenzen ein ganzes Tablett mit Mineralwasserbechern über die Passagiere. Einmal fuhren wir mit offener Hecktür zur Startbahn. Und doch sind sie immer gut geflogen, die Saratower Maschinen. Nun sind sie so gut wie aus dem Verkehr gezogen. Doch heute morgen, für den Direktflug nach Sankt Petersburg, stand ein solches "Museum" bereit. Ich ahnte, dass ich im über-Kopf-hohen, weichen Sessel gut schlafen werde. Es kam auch so. Der Pilot legte einen absolut ruhigen zweieinhalb stündigen Flug hin. Ich wiederhole nur ein paar Gedanken von vor dem Einschlafen: Einstieg über die ausgeklappte Hintertreppe unter dem Heck, drin Neonlicht und Musik aus der Blechdose. Oboe. Werkstattsgeruch (wie alte Öllappen). Die weichen, hohen Fluggastsessel! Neben mich zwängt sich ein älterer Biker mit Glatze und dicker Lederjacke, die er um keinen Preis ausziehen will. Auch ohne Jacke wäre es rechts und links neben ihm eng genug gewesen. Die Pilot macht seine Standardansagen, die leise aus der Sprechanlage klingen, wie durch einen umgestülpten Trichter unter Wasser. Fünf Minuten vor Start werden die drei Turbinen am Heck angeworfen, eine nach der anderen. Die letzte Ansage der Stewardess wird vom Lärm verschluckt. Wir heben ab. Am Fenster ist die Luft frisch. I ♥ Jak-42. 

Donnerstag, 21. September 2017

Herbstanfang

Das Thermometer steigt nur noch mit Mühe über die 20-Grad-Grenze. Der heutige Donnerstagmorgen begann mit der Frühmesse in der Schwesternkapelle. Im Büro geht es schrittweise vorwärts. Es sind 1000 kleine Dinge, die die zwei/drei großen immer wieder zu verdrängen suchen.
13.00 Uhr schaute ich in der Pfarrei vorbei, wo es zur guten Gewohnheit geworden ist, dass sich alle (klingt viel) kirchlichen Mitarbeiter (Pfarrei, Caritas, Kurie) um den Mittagstisch versammeln.
Am späten Nachmittag wird der wiedergewählte Gouverneur, Herr Radajew, in Saratow in sein Amt eingeführt. Ich bin zum Festakt eingeladen. Und abends heißt's dann wieder mal: Tasche packen ...

Die Amtseinführung von Gouverneur Valerij Radajew in Saratow war auf ihre Art feierlich, eine Zeremonie, die man ernst nehmen muss, auch da, wo sie einem fremd scheint. Die Grußworte waren relativ kurz, ebenso wie die Antrittsrede des Wiedergewählten. Der hiesige orthodoxe Erzbischof saß in der Mitte, neben dem Gouverneur und grüßte im Namen des Patriarchen, (Foto). Wir anderen Religionsvertreter (Islam, katholische und evangelische Kirche) bekamen Zuhörer-Plätze am Rand, ebenfalls in der ersten Reihe des großes Saales. Der sonst stets anwesende jüdische Rabbiner konnte wegen des heutigen Neujahrsfestes (Rosch ha-Schana) nicht dabei sein.


Dienstag, 19. September 2017

Multi-Stopp-Reise

Er kam von Osten, Ottmar Steffan aus Osnabrück (Bildmitte). Gestern nachmittag landete seine Maschine mit viel Verspätung in Saratow. Vor seinem Besuch an der Wolga war er in Sibirien: Novosibirsk, Omsk, Nizhnij Tagil. Und von Saratow-Marx geht es in der Nacht zum Donnerstag weiter nach Wolgograd. Wir haben heute zusammen gefrühstückt. Dann gehörte sein Tag der Caritas. Am späten Nachmittag holte ihn Pater Bosco ab, der Pfarrer aus Marx, (rechts im Bild). Dort fing 1998 alles an: Im kommenden Jahr werden es 20 Jahre, dass unsere Bistumspartnerschaft geboren wurde, mit einer "Kuh für Marx".

Montag, 18. September 2017

Heimfahrt mit großer Pause in Lenins Geburtsstadt


Pater Diogenes, mein Generalvikar, war am Wochenende ebenfalls in Kazan zum Patronatsfest, zur großen Freude der Gemeinde, denn er wirkte hier 20 Jahre lang als Seelsorger. Heute fuhren wir beide mit dem Auto nach Hause. An der 700 km langen Strecke liegt nur eine Pfarrei: Uljanowsk, ebenfalls "Heilig Kreuz". Deren Pfarrer hatte eingeladen, bei ihm Station zu machen. Gestern abend willigten wir ein. Heute Mittag waren wir dort. Mit ein paar Gläubigen feierten wir Eucharistie am noch von gestern geschmückten Altar: Alle, die das gern wollten, konnten gestern eine Rose zur Kreuzverehrung mitbringen. Es waren, wie man sieht, viele.
Saratow erreichten wir erst nach Einbruch der Dunkelheit, mit einer insektenverklebten Frontscheibe bei 25 Grad im Mondschein. (Oder ist heute Neumond? :-)
Übrigens hat das Nachrichtenportal TATAR-INFORM gestern über unsere Feier in Kazan berichtet. Hier der Link zu deren Bildern.

Sonntag, 17. September 2017

Vom Fest Kreuzerhöhung in Kazan

Wenn auch alle unsere Pfarrgemeinden zu einem Bistum und zur einen katholischen Kirche gehören, so hat doch jede von ihnen ihre eigene Prägung. Herkunft der Gläubigen und äußere Umstände haben Einfluss auf diese Prägung. Eine noch größere Rolle aber spielt der Pfarrer, seine Art, sein Glaube, sein Verständnis von Kirche und Pfarrei. Zumindest bei uns in Russland, wo es über drei Generationen hinweg keine Kirchenstrukturen gab und ausländische Priester vor etwa 25 Jahre von Neuem beinahe bei "Null" begannen, spürt man das deutlich. Und dieses innere Gespür geht bei meinen Pastoralbesuchen oft mit Dankbarkeit einher. Es es ein Geschenk, Gemeinden wachsen zu sehen, frohe und innige Liturgien mitzufeiern, Pfarrgemeinden nach der Messe erleben zu dürfen, dazuzugehören. 
Das sind Gedanken am heutigen Sonntag, die mich nach dem Patronatsfest in Kazan bewegen. In der Sonne-durchfluteten Kirche taufte ich drei Neugeborene und drei Erwachsene. Dann spendete ich einer noch größeren Zahl die Firmung. Als die Uhr hinten an der Wand schon zweieinhalb Stunden liturgischer Feier bestätigte, begann die Prozession um die Kirche, in deren Anschluß Groß und Klein je eine Blume zur Kreuzverehrung nach vorn brachten. Im Gemeindesaal fand der Tag mit einer Agape seine Fortsetzung. Mehr als anderenorts spielten da selbstgemachte Musik und Tanz eine Rolle. Fotos aus inzwischen über zwei Jahrzehnten Gemeindeleben wurden präsentiert, und man hatte sich viel zu erzählen, kurz, wie bei einem sehr herzlichen Familienfest.

Samstag, 16. September 2017

Katholische Christen in der Hauptstadt Tatarstans

Ich bin dem jungen Kazaner Pfarrer dankbar, dass er seine Idee dreier offizieller Treffen am heutigen Tag zugunsten von persönlichen Gesprächen in der Pfarrgemeinde nicht weiter verfolgt hatte. So blieb mir viel Zeit, mit Sergej zu sprechen, einem 41-jährigen Familienvater, der sich vor zwei Jahren auf den Weg zur Weihe zum ständigen Diakon begeben hat. Wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise mußte er seine bisherige Arbeit aufgeben. Nun verdient er das Geld für den Unterhalt seiner Familie als Taxifahrer, bis zu 12 Stunden am Tag. Wie er die Arbeitsausfälle kompensieren soll, die wegen des bald beginnenden Studiums auf ihn zukommen, weiß er noch nicht. Eine junge Frau, knapp über 30, hatte mich schon vor einer Woche schriftlich darum gebeten, ihr ein wenig Zeit zu widmen, wenn ich nach Kazan komme. Sie war in ihrem Suchen nach einem Weg gottgeweihten Lebens an den Punkt gekommen, an dem es Zeit ist, mit dem Bischof darüber zu sprechen.
Nach der Abendmesse, in der ich fünf Erwachsene nach langer Vorbereitungszeit in die katholische Kirche aufnehmen durfte, begann das hier auf morgen verlegte Fest Kreuzerhöhung. Es ist sozusagen der Namenstag der Pfarrgemeinde. Wir beteten meist still vor einem großen, vorn in der Kirche aufgestellten Kreuz, während die Möglichkeit zur Versöhnung im Bußsakrament bestand. Dann gab es einen Imbiss, und es wurde erzählt, bis gegen neun. Erst dann machten sich die meist jungen Leute auf den Heimweg in der Millionenstadt. Den Abend im Anschluss habe ich nun frei für die Seelsorger der Gemeinde.