Samstag, 7. Januar 2017

Ankunft in Astrachan

Obwohl wir (zwei Jugendliche begleiteten mich, bzw. wollten auch nach Astrachan) die 300 km am Morgen im Nebel zurücklegten, konnten wir gut sehen, warum dieser Teil Kalmykiens auch "die erste Wüste Europas" genannt wird. Dann erreichten wir das Wolgadelta, 30 m unter dem Meeresspiegel. Diese topographische Besonderheit ist natürlich nur möglich, weil das Kaspische Meer kein wirkliches Meer ist, sondern ein See - der größte See der Erde, 1.200 km lang. 
Dann schien die Sonne, im doppelten Sinne. Das Ergebnis der Reparatur- und Renovierungsarbeiten im großen Gemeindehaus (links unten) vom Dach (rechts Mitte) bis zum Keller, beeindruckte mich. Alle Priester bei uns in Russland sollten notgedrungen auch ein wenig vom Bauen verstehen. Pater Michal, Franziskaner, versteht viel davon. Ich kann gut verstehen, dass ihn die letzten Jahre hier bei uns in Astrachan sehr müde gemacht haben. Er führte mich durch's Haus, später auch zur Kirche gegenüber, die übrigens die älteste erhaltene katholische Kirche in ganz Russland ist, gemeinsam mit der Katharinenkirche in Sankt Petersburg. (Eine von beiden begann man früher zu bauen, die andere wurde früher geweiht.) Leider wird das Stadtviertel um die Kirche herum immer schmutziger (oben). Seit Jahren bittet der Pfarrer bei der Stadtverwaltung, dass sie sich doch ein wenig mehr um Dinge wie die Müllabfuhr kümmern mögen. Es blieb bisher bei Versprechen.
Nach der Abendmesse traf ich Vera und sechs ihrer inzwischen großen Kinder, die sie aus einem Kinderheim für Schwestbehinderte adoptiert hatte. Es war schön, die Heranwachsenden wiederzusehen. Sie erinnern sich gut an den Besuch bei uns in Saratow/Marx, der schon Jahre zurückliegt. Trotz aller Bedenken, z.B. auch im Blick auf ihre eigene Gesundheit, kann ich vor Leuten wie Vera nur den Hut ziehen. Ohne Aufsehen zu machen, sich still und unwiderruflich in eine konkrete Not ganz einlassen, praktisch für immer,... Schwer.