Freitag, 6. Januar 2017

Gold, Weihrauch und Makkaroni

Richtig, letzteres brachten nicht die heiligen drei Könige dem Jesuskind in der Krippe, sondern eine ältere Frau in der Hauptstadt Kalmykiens ihrem Pfarrer, heute am frühen Morgen. Sie mußte von weit her zur Messe gekommen sein, denn sie kam viel zu früh. Aus diesem kleinen Zeichen, aus der Plastiktüte und den 500 g trockenen Nudeln, spricht so viel, dass mir scheint, es wäre schöner, selbst zu verstehen, als dass ich es hier weiter beschreibe. 
Die heutige Messe hatten wir gestern kurzerhand von 18.00 Uhr auf 10.00 Uhr verlegt. Kein Problem, meinte Pater Wladimir, der Pfarrer. Es sei ja sowieso arbeitsfrei. Er rief einfach bei "allen" an. Neblig und deutlich über Null Grad - Die Stadt erweckte einen schmutzigen Eindruck. 80% der Gottesdienstteilnehmer machten Alberta und ihre "Familie" aus. Tee und Gebäck nach der Messe gehören hier zum festen Feiertagsritus der Gemeinde. Danach sprach ich mit Sergey, einem unserer vier Kandidaten, die den Weg zum ständigen Dienst als Diakon begonnen haben. Vor dem Mittagessen tat ich das, was in Deutschland die Sternsinger tun: Ich betete im Haus der Assoziation Johannes XXIII. um Gottes Segen für das Jahr und schrieb 20 C+M+B 17 über die Türen. Auch am Abend waren Pfarrer und ich in jenes quicklebendige Haus eingeladen. Als wir uns schließlich auf den Heimweg ins Pfarrhaus machten, begann sich Sveta auf die nächtliche Weihnachtliturgie vorzubereiten, wo sie mit Alberta hin fährt. Sveta, eine aus der Hausgemeinschaft Albertas, ist orthodoxe Christin. Ihr Weihnachtsfest beginnt heute Nacht. Ich fahre morgen früh weiter nach Astrachan: 300 km durch kalmykische Steppe, eine minimale Vegetation auf Sand und Salz, denn einst (vor ca. 11 Millionen Jahren) lag das alles mal auf dem Grund des Meeres.