Samstag, 17. Juni 2017

"Wen int'ressiert's?!"

Große Hilfsorganisationen, die viel Gutes tun, haben leider meistens den Nachteil, dass sie einzelnen kleinen Leuten in akuter Not nicht helfen können. Da müssen anderen Strukturen oder Strukturlose greifen. Oft weiß ich in solchen Fällen, wohin ich mich wenden kann, und trotzdem: nicht immer. 
Gestern und heute begegneten mir mehrere solche Fälle, nein, Menschen, denen ich vorerst in der Hauptsache nur zuhören konnte. Der erwachsene Sohn einer allein lebenden Rentnerin ist ins Drogenmilieu gerutscht. Sie hat es geschafft, ihn zu einer Therapie in einer geschlossenen Einrichtung zu bewegen. Das kostet sie monatlich 52.000 Rubel (umgerechnet ca. 825 Euro). Sie bekommt 12.000 (190 Euro) Rente. Die Frau ist am Verzweifeln, weil ihr Sohn zurück kommt, wenn sie nicht bezahlt, zurück in die Treppenhäuser seiner "Freunde". Einer jungen Mutter von drei Kindern wurde in einer Großstadt mündlich vom Arzt bestätigt, dass sie nicht arbeiten kann und Invalidenrente beantragen muss. Zurück in der Kleinstadt, wurde sie von den für Invalidenrente zuständigen ausgelacht und heim geschickt. Gas und Strom wurden ihr schon von der Stadt abgeschaltet, weil sie nicht bezahlen kann. Gleich zwei alleinstehende, arme Frauen leben mit dem Verdacht auf Krebs. Eine von beiden hat nicht das Geld, um weitere Untersuchungen zu bezahlen und hofft in einer endlosen Warteschlange auf eine kostenlose Diagnose. Die andere liegt im Krankenhaus, 70 km von zu Hause, und versteht nicht, was ihr die Ärzte "erklären". Sie ist und fühlt sich ganz allein, wie ein Kind. "Ein chirurgischer Eingriff sei nötig", das hatte sie sich gemerkt, um am Telefon zu wiederholen. 
(Das Foto von der Krankensalbung letzten Samstag hat nichts mit dem Text zu tun.)