Samstag, 2. September 2017

Nach langer Zeit

14 Jahre ist es her, da stand ich vor diesem Gebäude in der südrussischen Stadt Stawropol. Am 6. August 2003 (Foto) zeigte mir Pater Con, der irische Priester aus dem 188 km entfernten Pyatigorsk, die Reste der katholischen Kirche Stawropols, das er als Außenstation betreute. Zwei Etagen mit großen Wohnungen seien hier eingerichtet worden, nach der Enteignung. In den 19 Jahren meiner Verantwortung für die Region, habe ich Stawropol nur dreimal besucht, jedesmal mit einem anderen zuständigen Pfarrer. Beim ersten Mal, 1998, feierten wir die heilige Messe mit einer Handvoll Gläubiger vor einer grünen Wandtafel in einer Schule. Beim zweiten Mal hatte die kleine Gemeinde einen Saal in einem Blindenzentrum gemietet. Beim dritten Mal trafen wir uns in einer Wohnung. Die Zahl derer, die "zur Kirche" kamen, war auf ein Minimum geschrumpft. Anfangs gab es beinahe ambitiöse Pläne für einen großen Kirchenneubau in der Großstadt (400.000 Einwohner). Ich willigte nicht ein, weil mir Bauen ohne Pfarrer in der Stadt zu riskant war. Weder die Perspektive der Pfarrgemeinde war klar, noch die Frage der ganz konkreten Bauaufsicht unsererseits. 
Nun hat Stawropol zum ersten Mal (seit vermutlich ca. 100 Jahren) wieder einen eigenen katholischen Pfarrer. Pater Jaroslaw war bis 2016 mein Generalvikar, dann übernahm er den praktischen Neuanfang. Er hat eine der Wohnungen in diesem historischen Gebäude gekauft und ist am Renovieren. In 45 Minuten fahre ich zum Flughafen. Am Nachmittag werde ich dort sein, nach 14 Jahren.
Übrigens kommt der Name der Stadt aus dem Griechischen: stauros - das Kreuz, polis - die Stadt.