Dienstag, 14. November 2017

Ars


Jeden Morgen um 6.30 Uhr wird die Pfarrkirche in Ars vom Küster aufgeschlossen. Um diese Zeit ist es dort ganz still, erst recht um diese Jahreszeit. Pilger kommen oft nur auf der Durchreise hier vorbei, also irgendwann später am Tag. Mit Denis, unserem Seminaristen im 4. Kurs des hiesigen Priesterseminars, haben wir uns für Mittag und Nachmittag verabredet, nach den Vorlesungen. So hatte und habe ich viel Zeit, in den Anliegen unseres Bistums, meiner Freunde und meiner ganz eigenen hier zu beten, am Grab des heiligen Pfarrers von Ars, in seine Kirche, in der Seitenkapelle mit der Marienfigur, in deren Herz er alle Namen seiner Pfarrkinder geschrieben hatte, am Tabernakel, vor dem er einmal statt der Predigt nichts anderes herausbrachte als mehrmals die Worte "Er ist hier." Und das war eine Predigt, die ankam, wo sie hin sollte...


Warum ich einen jungen Mann aus Russland, der Priester werden will, ausgerechnet hier her geschickt habe? "Priesterausbildung" - nicht das passendste Wort - ist etwas sehr Verantwortungsvolles, Delikates, Schönes. Einem Menschen helfen, seine Berufung zu entdecken, zu bewahren und zu ent-falten... Das verlangt einen sehr persönlichen und individuellen Zugang. So verstehe ich es zumindest inzwischen. Muss doch die Freundschaft mit dem Herrn nicht "so ähnlich wie" die Freundschaft unter Menschen sein, sondern größer, damit der Weg gelingt. Wirklich größer. Die Gemeinschaft des heiligen Johannes Maria Vianney, die das Seminar in Ars leitet, hilft den jungen Leuten auf wirksame Weise, in der Fähigkeit zur christlichen (ehrlichen, vertrauenden, reifen, schenkenden) Freundschaft zu wachsen, aufgrund einer lebendigen Beziehung zu Christus und seinen Heiligen.